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Marla - oder der Beginn eines neuen Lebens

Zur Vorgeschichte:

Die ca. 2 jährige Marla kam aus schlechter Haltung und wurde vom Tierheim Sinsheim von einem anderen Tierheim übernommen. Die Hündin kennt nichts außer sich zu ducken und Angst zu haben. Um ihr etwas Ruhe zu gönnen, kam sie zu mir auf eine Pflegestelle. Zuvor habe ich 3 Wochen damit verbracht die Hündin zu besuchen, im Zwinger zu sitzen und ihr mit kleinen Spaziergängen etwas Vertrauen abzugewinnen. An der Leine gehen musste sie erst lernen. In meinem Haushalt leben 2 erwachsene Hunde die sehr souverän und ausgeglichen sind. Die halbstündige Fahrt in ihr vorübergehendes Zuhause war für die Hündin sehr anstrengend. Sie erbrach sich im Auto und traute sich daraufhin nicht mehr sich zu bewegen.

Und nun die ersten 8 Tage im Übergangszuhause. Lesen Sie selbst mit welch einem Lebenswillen diese Hündin erblüht.

Tag 1:
Samstag 16.30 Uhr aus dem Tierheim abgeholt. Voller Angst ins Auto gehoben und dann bei der Fahrt erbrochen. Rute ist nicht sichtbar. Nichts getrunken und nichts gefressen. Erst gegen 2.30h am Sonntagmorgen zum Pipi gegangen. Versucht sich zu entziehen.

Tag 2:
1 Würstchen gefressen, getrunken, Pipi gemacht und die Wohnung erkundet. Will nicht alleine mit mir raus zum lösen. Fühlt sich in Begleitung der Großen sicherer. Rute nach wie vor nicht sichtbar.

Tag 3:
Morgens Pipi gemacht und ein wenig gefressen. Danach noch mal raus und jetzt auch Kot abgesetzt. Immer alles in Begleitung meiner Hündin. Mit ihr fühlt sie sich sicherer. Habe sie im Hof angeleint an einer 10m Leine damit sie nicht nur in der Ecke hockt. Im Tierheim hat sie wohl versucht einen Ausgang zu finden. Bei mir sich die Zäune nicht allzu hoch. Die Angst sie könnte versuchen auszubrechen sitzt mir im Nacken. Im Hof hat sie dann die neuen Geräusche und Gerüche auf sich wirken lassen. Mit Neugierde mich beobachtet. Gewöhnt sich allmählich an die Bewegungen in unserem Haushalt. Gegen 21 Uhr erstmalig ihre Futterschüssel leer gemacht. Hat sich heute zum ersten Mal geputzt.

Tag 4:
Liegt zum ersten Mal beim Frühstück neben meinem Stuhl. Bin stolz auf sie. Später schleckt sie sogar noch meine Hand ab. Die Rute ist heute entspannter. Aber nur in der Wohnung. Draußen ist sie nach wie vor eingeklemmt. Habe sie 10 Minuten alleine gelassen in der Wohnung und bin mit den Großen raus gegangen. Wurde schwanzwedelnd empfangen. Nur leicht natürlich. Habe die Terrassentür offen und sie legt sich zu den Großen nach draußen. Sie bleibt aber unter Beobachtung. Versucht nicht auszubrechen. Der Alltag in unserem Haushalt hat für sie begonnen. Regelmäßiges raus gehen und kleine Spaziergänge sind jetzt im Tagesablauf. Sie hat noch nicht einmal in die Wohnung gemacht. Abends liegt sie sogar neben meinem Bett.

Tag 5:
Wir lernen das Wort „NEIN“. Nein, der Stuhl wird nicht angeknabbert, da sitze ich drauf. Nein, die Wurst auf dem Tisch esse ich.

Tag 6:
Ich gehe wieder Arbeiten. Marla ist mit den Großen ca. 4-5 Stunden alleine. Geht alles gut. Wenn ich nach Hause komme freut sie sich wie die anderen Beiden. Die Rute ist draußen, außer es ist eine neue Situation. Der Alltag funktioniert. Sie frisst regelmäßig morgens und abends ihre Schüssel leer. Sie hat den Rhythmus der Großen angenommen. Regelmäßig raus und regelmäßig fressen. Sie darf sich jetzt in meinem Beisein auch ohne Leine und ohne geführt zu werden im Garten bewegen. Sie genießt das.

Tag 7:
Wir putzen unser Haus. Oh, welch eine Geräuschskulisse. Die Nachbarin kommt auf einen Plausch vorbei. Marla zieht sich zurück. Sitzt hinter meinem Rüden. Der ist groß und stark. Fremde Menschen machen ihr immer noch angst. Sobald die Nachbarin weg ist entspannt sich die Hündin wieder. Das mit den Menschen dauert noch ein wenig. Aber wir haben Zeit.

Tag 8:
Ich muss zur Hundeschule. Meine Tochter bleibt mit Marla und unserer Hündin zu Hause. Will ihr den Stress des Autofahrens ersparen. Das steht erst nächste Woche auf dem Lehrplan. Es läuft alles wie in den Tagen zuvor. Nur das meine Tochter Marla nicht ohne Aufsicht lassen darf. Aber die hat ihre große Freundin an der sie sich orientiert.

Tag 9:
Heute kommt über den Tag verteilt Besuch. Es ist Sonntag. Zuerst mein Papa. Dann ein befreundetes Ehepaar und zum Schluss noch 2 Freundinnen aus dem Tierheim. Alle lassen sie Marla in Ruhe. Sie schaut und sie schnuppert. Natürlich im Sicherheitsabstand. Aber sie ist nicht desinteressiert. Nur vorsichtig. Wir gehen immer wieder mal in den Garten und Marla kommt mit. Wir sitzen in der Wohnung und Marla liegt unter dem Tisch. Nicht in einer Ecke wie in den ersten beiden Tagen. Zeit, das ist es was diese Hündin braucht. Und die bekommt sie. Ein Schritt nach dem anderen. Am Abend als alle weg sind ist Marla „Brot fertig“. Aber sie hat sich wacker geschlagen bei all den neuen Eindrücken in dieser Woche.

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